Infos aus der Region
Stellungnahme
der CDU-Fraktion im Kelterner Gemeinderat zum Haushaltsplan 2010
Gemeinderat
Jürgen Th. Müller
Sehr geehrter Herr Bürgermeister, sehr
geehrte Damen und Herren, liebe Kollegen und Kolleginnen,
vor die Stellungnahme der CDU-Fraktion
zum Haushalt des kommenden Jahres möchte ich eine kleine jüdische Geschichte
stellen: "Moshe steigt auf einen Berggipfel, um mit Gott zu reden. Fragt Moshe:
Gott, was sind für Dich eine Million Jahre? Gott antwortet: Eine Minute. Fragt
Moshe: Und was sind für dich eine Million Schekel? Gott antwortet: Ein
Groschen. Da fragt Mosche: Gott, kann ich einen Groschen haben? Sagt Gott: Kein
Problem, in einer Minute!"
Bei Zahlen kommt es eben auf die
Betrachtungsweise und den Standpunkt an. Wir hoffen jedenfalls, dass es nicht
ganz so lange dauern wird, bis der Keltern wieder einen Haushalt haben wird,
der ohne Griff in die Rücklagen-Kasse auskommt.
Zur
finanziellen Situation:
Noch vor einem Jahr konnten wir in
unserer Haushaltsrede feststellen, dass angesichts der aktuellen Zahlen von
einer Krise keine Rede sein kann. 2009 planten wir mit einer satten
Zuführungsrate von 1,3 Millionen Euro an den Vermögenshaushalt, aus der
Gewerbesteuer sprudelten unerwartet hohe Beträge in die Gemeindekasse. Das
alles hat sich ganz schnell und sehr drastisch geändert, denn die Wirtschafts-
und Finanzkrise hat vor der Kelterner Gemeindegrenze nicht Halt gemacht.
Die Gemeindeverwaltung hat einen echten
Spar-Haushalt vorgelegt. Das Gesamtvolumen schrumpft von 20,287 auf 16,226
Millionen Euro. Es gibt eine negative Zuführungsrate von 358.000 Euro. Das
heißt, wir erwirtschaften aus dem laufenden Betrieb keinen Überschuss für
unsere Investitionen. Vielmehr knabbern wir unser Vermögen an, um unseren
Verpflichtungen nachzukommen. Die Rücklagen-Entnahme fällt mit 1,34 Millionen
Euro entsprechend deutlich aus.
Ist das zu verantworten? Wir meinen: Ja!
Die Gemeinde soll ja im Jahr 2010, wie bereits in den vergangenen 4 Jahren,
ohne Neuverschuldung auskommen. Das gilt im kommenden Jahr auch für den Bereich
Wasserversorgung. Das ist bemerkenswert! Dieser Sparkurs ist aus unserer Sicht
für 2010 der richtige Weg. Wir sind froh, dass Sparen den Vorrang vor dem Ruf
nach höheren Steuern hat. Nun bleibt zu hoffen, dass die Milliarden-schweren
Konjunkturpakete der Bundesregierung rasch greifen und es mit unserer
Wirtschaft rasch aufwärts geht. Wir sind da optimistisch!
Investitionen:
Auch im kommenden Jahr prägt das neue
interkommunale Gewerbegebiet "Dammfeld" die Investitionen der Gemeinde. Wir
sind froh, dass diese unendlich erscheinende Geschichte weiter voran kommt.
Keltern hat unserer Einschätzung nach viel zu lange mit der Ausweisung von
Gewerbeflächen gezögert und musste hinnehmen, dass leistungsfähige Firmen in
Nachbarorte abgewandert sind. Wenn nun
für die Erschließung des "Dammfeld"-Gebietes eine Million Euro und für die
dortige Abwasserbeseitigung 600.000 Euro veranschlagt sind, ist das unserer Meinung nach gut angelegtes Geld. Und
erste Anfragen zeigen ja bereits, dass es von Seiten regionaler Betriebe eine
Nachfrage nach diesen Gewerbeplätzen gibt.
Insgesamt ist der Vermögenshaushalt mit
großen Fragezeichen versehen. Aufgehen wird der Plan nur dann, wenn die
geplanten Grundstücks-Verkäufe auch
tatsächlich realisiert werden können. Doch auch hier stimmen die ersten
Erfahrungen mit den Kelterner Neubaugebieten in allen Ortsteilen eher
optimistisch.
Im Vermögenshaushalt finden sich keine
neuen Großprojekte. Vielmehr geht es um Sanierungen, Ersatzbeschaffungen und
Optimierungen, die längerfristig Geld sparen. Hier ist die Heizungsanlage der
Dietlinger Schule ein echter Dauerbrenner - im wahrsten Sinne des Wortes. Es
gibt mehrere Gründe, die überdimensionierte Anlage zu erneuern: Neben dem
Umweltschutz geht es auch um Wirtschaftlichkeit und Versorgungssicherheit. Hier
zu investieren ist sicher sinnvoll - wenn es die finanzielle Entwicklung des
kommenden Jahres hergibt.
Um den Erhalt der Funktionalität geht es
auch bei der Mehrzweckhalle in Ellmendingen. Hier sind die veranschlagten
80.000 Euro unverzichtbar. Würde hier nichts unternommen, sind durch das
undichte Dach längerfristig hohe Folgeschäden zu befürchten. Der Vorschlag
"Abriss und Neubau", wie er bei einer Ortsbesichtigung vorgebracht wurde, hat
zwar einen gewissen Charme - nur bezahlen könnten wir das nicht.
Sehr eingeschränkt sind auch unsere
Möglichkeiten, auf die Verkehrsprobleme in den Ortsdurchfahrten zu reagieren.
Die in der letzten Sitzung beschlossenen Tempo-Messgeräte sind ein erster
kleiner Schritt. Wir sind sicher, dass uns dieses Thema 2010 weiter
beschäftigen wird.
Gestatten Sie mir noch ein Wort zur
aktuellen Diskussion um unsere Kindergärten. Wir als CDU sind der Meinung, dass
wir möglichst viel tun sollten, um unsere jüngsten Mitbürger zu fördern. Wir
freuen uns, wenn junge Familien mit Kindern nach Keltern ziehen. Deshalb halten
wir eine generelle Erhöhung der Kindergartengebühren für den falschen Weg.
Allerdings ist die CDU für die Abschaffung der einkommensabhängigen Beiträge,
und zwar aus mehreren Gründen. Zum einen können bedürftige Familien auf andere
Art und Weise besser gefördert werden - zum Beispiel, wenn ihnen die Gebühren
auf Antrag ganz erlassen werden. Zum anderen ist der bürokratische Aufwand für
die Erhebung dieser Beiträge und die Weitergabe der Daten an die kirchlichen
Stellen viel zu hoch. Außerdem ist da noch die Missbrauchs-Gefahr. Und schließlich
sollte man auch noch berücksichtigen, dass das Landratsamt bei Hartz
IV-Empfängern die Kindergartengebühren übernimmt - der Gemeinde Keltern aber
dank unserer Regelung aber nur den geringsten Satz bezahlt, wir subventionieren
also das Landratsamt. Das sollten wir schleunigst ändern.
Reden müssen wir über Anzahl und
Struktur der Kindergärten. Bei ständig sinkenden Kinderzahlen werden wir um das
Zusammenlegen verschiedener Einrichtungen in einzelnen Ortsteilen mittelfristig
nicht herum kommen.
Ein wichtiges Thema für die CDU-Fraktion
ist der Erhalt der Schulstandorte in Dietlingen und Ellmendingen. Für die
Grundschulen steht dies außer Frage. Für die Haupt- beziehungsweise Werkrealschule
haben Verwaltung und Gemeinderat die Weichen für eine Kooperation mit
Birkenfeld gestellt. Wir meinen: Keltern darf kein weißer Fleck auf der
Landkarte werden, an dem es keine einzige weiterführende Schule gibt. Eine
wesentliche Rolle kommt dabei aber den Eltern der Schüler zu. Sie müssen
Vertrauen haben in das künftige Dietlinger Angebot. Wir hoffen auf eine große
Attraktivität der Werkrealschule neuen Typs und - unter neuer Leitung - auf
eine weitere Aufwertung.
Personal:
Wie schon in den Vorjahren bewerten wir
die Personalpolitik der Gemeinde positiv. Hier ist Keltern im interkommunalen
Vergleich sparsam. Dennoch ist die Gemeinde so ausgestattet, dass sie ihre
Aufgaben erfüllen kann - mit tendenziell weniger Personal, trotz steigender
Aufgaben. Wir möchten an dieser Stelle Bürgermeister Ulrich Pfeifer
ausdrücklich dafür danken, dass er sich für eine effektive, schlanke Verwaltung
einsetzt. Die CDU-Fraktion wird diesen Kurs auch in Zukunft unterstützen. Unser
Dank gilt auch dem Rechnungsamt unter Leitung von Jürgen Germann für die
zeitnahe Vorlage eines ausgereiften Haushaltsplanes - und dafür, dass Keltern
keine Geschäfte mit amerikanischen Investment-Banken gemacht hat.
Ausblick:Im vergangenen Jahr hatten wir an dieser
Stelle mehrere Wünsche formuliert, die von der Verwaltung auch erfüllt wurden.
So baten wir darum, dass Keltern künftig in alle Verhandlungen zum Thema
Schienenverkehr in unserer Region einbezogen wird. Das ist mittlerweile sicher
gestellt. Auch hatten wir uns für leistungsfähige schnelle
Internet-Verbindungen eingesetzt. Auch da hat sich viel getan, und weitere
Verbesserungen sind in Aussicht. Was das weltweite Datennetz angeht, ist
Keltern weitgehend gut aufgestellt!
Auch für 2010 hat die CDU-Fraktion
wieder einen Wunsch. Nachdem der Regionalverband sich nun offener als früher
zeigt, was die Nutzung erneuerbarer Energien angeht, möchten wir die Verwaltung
bitten auszuloten, ob und wie diese regenerativen Energiequellen in Keltern
genutzt werden können - egal, ob es um eine stärkere Nutzung von Photovoltaik
geht, die Nutzung von Windkraft oder die Energieerzeugung aus Biomasse. Wir
würden es begrüßen, wenn sich Keltern hier als "grüne" Gemeinde zeigt - wobei
wir das natürlich nicht parteipolitisch meinen!
Fazit:
Positiv hervorheben möchten wir das gute
Miteinander zwischen Verwaltung und Gemeinderat. Das Klima ist sachlich und
produktiv, viele Entscheidungen fallen einstimmig. Das Voranbringen der
Gemeinde steht im Vordergrund, und das ist gut so!
Die CDU-Fraktion dankt der Verwaltung
für die geleistete Arbeit, verbunden mit der Hoffnung, dass auch in Zukunft
sparsam gewirtschaftet wird. In den Dank beziehen wir auch die Steuer- und
Abgabepflichtigen mit ein, die es durch ihre Zahlungen erst möglich gemacht
haben, dass wir die uns gestellten Aufgaben bewältigen konnten.
Die CDU-Fraktion stimmt der
vorgelegten Haushaltssatzung mit dem Haushaltsplan 2010 sowie dem
Wirtschaftsplan des Eigenbetriebs Wasserversorgung 2010 zu.
|